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Warum Yoga schon immer queer war

Queerness bedeutet, sich zu widersetzen. Der Erwartung, wer man sein soll. Der Norm, wie man aussehen, lieben oder leben muss. Dem Druck, sich anzupassen, um dazuzugehören.

Die klassische Yogaphilosophie stellt seit Jahrhunderten dieselbe Frage, nur mit anderen Worten: Wer bist du, wenn du alles wegräumst, was dir von außen gegeben wurde? Das ist keine romantische Behauptung. Es steckt direkt in den Prinzipien, die Patanjali in den Yoga Sutras niedergeschrieben hat.

Fünf davon schauen wir uns hier an.

Ahimsa: Gewaltlosigkeit, auch gegenüber sich selbst

Ahimsa ist das erste der fünf Yamas, der ethischen Grundprinzipien im achtgliedrigen Yogaweg nach Patanjali. Es bedeutet wörtlich „Nicht-Verletzen“ und bezieht sich ausdrücklich auf andere Lebewesen, aber ebenso auf sich selbst.

Ahimsa in der eigenen Praxis heißt: sich nicht kleiner machen, als man ist. Sich nicht verbiegen, um dazuzugehören. Die Anpassung, die viele queere Menschen täglich leisten, an Sprache, Verhalten, Erscheinungsbild, ist aus dieser Perspektive keine neutrale Strategie. Es ist Gewalt gegen sich selbst.

Satya: Sich selbst gegenüber Wahrhaftig sein, ohne sich erklären zu müssen

Satya, das zweite Yama, bedeutet Wahrhaftigkeit. In der klassischen Auslegung geht es um Aufrichtigkeit in Gedanken, Worten und Taten, und nicht als Performance nach außen, sondern als innere Haltung.

Satya bedeutet nicht: Ich muss mich erklären. Es bedeutet viel mehr: Ich bin ehrlich zu mir selbst. Ob und wie man diese Wahrheit mit anderen teilt, ist eine eigene Entscheidung. Aber sie beginnt innen.

Svadhyāya: Sich selbst kennenlernen, frei von Fremdzuschreibungen

Svadhyāya ist eines der fünf Niyamas, die zweite Stufe des achtgliedrigen Weges, die sich auf den Umgang mit sich selbst bezieht. Der Begriff bedeutet Selbststudium: sich selbst ernsthaft, offen und ohne vorweggenommenes Ergebnis zu beobachten.

Klassisch bezieht sich Svadhyāya auf das Studium der Schriften und des eigenen Geistes. In der Praxis heißt das: Hinschauen, was wirklich da ist, frei von dem, was Familie, Gesellschaft oder Kultur einem als Identität übergeben haben. Das ist für Menschen, die sich lange nicht hinschauen durften oder konnten, keine kleine Übung.

Santosha: Im Prozess sein dürfen

Santosha, ebenfalls ein Niyama, wird üblicherweise mit Zufriedenheit oder Genügsamkeit übersetzt. Nicht im Sinne von Resignation, sondern als aktive Haltung: das Gegenwärtige annehmen, wie es ist, auch wenn es unvollständig, offen oder noch in Bewegung ist.

Das trifft etwas Reales: Wer mitten in einem Coming-out, einer Transition oder einer Identitätssuche steckt, ist häufig dem Druck ausgesetzt, schnell eine fertige Antwort haben zu wollen. Santosha sagt: Nein, du darfst im Prozess sein. Und auch darin liegt Würde.

Tapas: Das stille Feuer, das weiterbrennt

Tapas bedeutet wörtlich Hitze oder Glut und im übertragenen Sinne steht es für Disziplin, inneres Feuer und die Ausdauer, dranzubleiben. Es ist kein willensgestütztes Durchbeißen, sondern die Kraft, die aus echter Überzeugung entsteht.

Es braucht echtes Tapas, weiterzumachen, wenn jemand sagt: „Das ist nur eine Phase.“ Wenn der Körper nicht mitspielt. Wenn die eigene Liebe keinen Namen hat, den andere kennen. Tapas ist das, was einen trotzdem weitermachen lässt, nicht aus Trotz, sondern aus innerer Klarheit.

Was Yoga wirklich sagt

In der Advaita Vedanta, einer der einflussreichsten philosophischen Strömungen, auf der weite Teile des Yoga aufbauen, ist das Ego eine Konstruktion und Trennung eine Illusion. Advaita bedeutet wörtlich Nicht-Zweiheit: Es gibt keine wirkliche Trennung zwischen dem individuellen Selbst und der umgebenden Wirklichkeit, zwischen dir und deinem Nächsten.

Das ist der Gedanke, auf den dieser Text hindeutet: Yoga sagt nicht „Liebe deinen Nächsten.“, sondern „Erkenne, dass du und dein Nächster nicht getrennt sind.“ Das ist ein philosophisch anderer Ausgangspunkt: Liebe als ethische Pflicht gegenüber Einheit als Erkenntnisgrundlage.

Ob man das queer nennen will, ist eine Frage der Sprache. Was stimmt: Die Kernprinzipien dieser Philosophie sind mit den Erfahrungen vieler queerer Menschen tief kompatibel, nicht weil sie extra dafür geschrieben wurden, sondern weil sie von denselben menschlichen Grundfragen ausgehen.

Bei Osmose Yoga

Wir glauben, dass Yoga nur dann vollständig ist, wenn es wirklich alle einschließt. Nicht als Slogan, sondern als Haltung, die sich in den Stunden zeigt. Jede Liebe ist schön, jede Identität willkommen.

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